Studium und Behinderung in Hessen: Erstes Vernetzungstreffen in Marburg

Dienstag, 18. September 2012

(v.l.) Dr. Uwe Grebe, Geschäftsführer des Studentenwerks Marburg, die Hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann und die Ministerialdirigentin des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst Irene Bauerfeind-Roßmann im Gespräch zum Thema "Studium und Behinderung".

Vertreter fast aller hessischen Hochschulen trafen sich gestern in der Milchbar des Studentenwerks Marburg zum ersten Vernetzungstreffen der Beauftragten, studentischen Interessenvertretungen und Beratungsinstitutionen für Studium und Behinderung in Hessen.  Daran teil nahm auch die Hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann, die zugleich die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen hatte. Sie diskutierte mit den Teilnehmern des Treffens die aktuelle Situation für Behinderte und Studierende mit chronischer Krankheit an den hessischen Hochschulen.

Aktuell haben 8% der Studierenden in Deutschland eine Behinderung oder chronische Krankheit. Viele Studierende haben aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen Schwierigkeiten mit den zeitlichen und formalen Vorgaben des Studiums, zum Beispiel mit der hohen Prüfungsdichte, der starren Abfolge von Modulen oder den Anwesenheitspflichten, das geht aus der aktuellen Studie des Deutschen Studentenwerks (DSW) zum Thema Studieren mit Behinderung hervor. Und weiter zeigt die Studie: Oft fehlen notwendige Unterstützungen wie Skripte in barrierefreier Form,  Beratungsangebote und Nachteilsausgleiche sind zwar hilfreich, werden aber zu wenig genutzt, zumeist weil Studierende nicht von den Möglichkeiten wissen oder sich nicht outen wollen.  „Hier müssen wir die Hemmschwellen herabsetzen, damit die Studierenden unsere Beratungsangebote auch tatsächlich nutzen“, so Dr. Uwe Grebe, Geschäftsführer des Studentenwerks Marburg und Vorsitzender des Beirates der Informations- und Beratungsstellle Studium und Behinderung (IBS), der gemeinsam mit dem Beauftragten der Universität Kassel für Behinderung und Studium Professor Dr. Felix Welti das Treffen moderierte.

Das Konzept für die Zukunft müsse lauten "Eine Hochschule für  alle", erklärte Welti, darauf müssten alle Maßnahmen - ob bauliche Veränderungen oder IT-Lösungen -  hinauslaufen. Wenn die Strukturen barrierefrei gestaltet werden, so Welti weiter, brauche es auch keine spezielle Beratung mehr, wie man sich in unzureichenden Strukturen zurechtfinde.

Vor allem das Thema „barrierefreies Bauen“ ist bei fast allen hessischen Hochschulen ein sehr aktuelles. Ob Gießen, Kassel, Marburg, Darmstadt, Fulda oder Rüsselsheim  - gebaut wird dort überall. Bei diesen Baumaßnahmen auch den Faktor Barrierefreiheit einzubeziehen und konsequent durchzusetzen stellt sich aber oft als größere Herausforderung heraus, als gedacht. "Eine Schwierigkeit dabei ist, dass viele alte Gebäude umgebaut werden. Grundsätzlich ist aber wichtig, dass die  Planer und Architekten das Thema Barrierefreiheit von vornherein im Fokus haben. Aber geprüft werden muss die Umsetzung schließlich von den Menschen die betroffen sind, also von Menschen mit Behinderung", so die Ministerin. Grundsätzlich riet sie den Beauftragten und Interessenvertretern, gemeinsam mit den Präsidien der Hochschulen das Thema „barrierefreie Hochschule“ anzugehen, denn das sei ein Bereich, mit dem sich eine Hochschule sehr gut profilieren könne, auch in dem „best
practice“- Beispiele erarbeitet würden, die dann auf andere Einrichtungen übertragen werden könnten.

 

Kontakt: Franziska Busch, Studentenwerk Marburg, Öffentlichkeitsarbeit , 06421/296-113