Barrierefreie Gestaltung von Web-Seiten

Was bedeutet Barrierefreiheit im Internet?

Eine barrierefreie Webseite ist eine Internetseite, in der problemloses Lesen und Navigieren mit den derzeit zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln möglich ist. Es sollen weder durch Hard- noch durch Software oder durch die Gestaltung des Inhalts einer Web- Seite zusätzliche Barrieren zwischen Dokument und Nutzer errichtet werden. Für den barrierefreien Zugang zu Web- Seiten hat sich im Englischen die Bezeichnung accessibility durchgesetzt.

Was sich im einzelnen als eine Barriere erweist, hängt von der Art der Beeinträchtigung des Nutzers oder der Nutzerin ab. Zugangsschwierigkeiten für blinde oder sehbehinderte Menschen ergeben sich häufig aus dem Einsatz von Zusatzsoftware, sogenannter Screenreader, die zum Auslesen des Bildschirminhaltes gebraucht werden. Die Bildschirmanzeige wird so aufbereitet, dass sie auditiv über synthetische Sprache, taktil über eine Braillezeile oder visuell über Bildschirmvergrößerungsprogramme erfahrbar wird. Zum derzeitigen Zeitpunkt können Screenreader nicht das exakte Layout des Bildschirms wiedergeben.

Im Folgenden soll deutlich werden, dass Barrieren leichter beseitigt werden können als oftmals angenommen. Die Anforderungen eines barrierefreies Webdesigns bedeuten keine Erweiterung des technischen Wissens bei der Programmierung. Barrierefreie Internetseiten verbieten moderne Stilelemente nicht, allerdings setzen sie einen hochwertigeren Programmierstil voraus.

Faustregel für die Zugänglichkeit von Web- Seiten: "Wenn Web- Seiten auch bei ausgeschalteter Grafikfunktion eines Internetbrowsers ohne Verlust wesentlicher Informationen lesbar sind und die Navigation gewährleistet bleibt, so können diese Seiten auch von blinden und sehbehinderten Menschen genutzt werden."

Grundregeln für die Gestaltung von Web- Seiten


Im Rahmen der Web Accessibility Initiative (WAI) hat das World- Wide- Web Konsortium (W3C) Richtlinien zur barrierefreien Webseitengestaltung aufgestellt. Die Anwendung der W3C- Technologien wird ausdrücklich empfohlen. Können Zugänglichkeitsrichtlinien nach den W3C- Standards nicht eingehalten werden, sollten zugängliche Alternativen angeboten werden. Um den barrierefreien Zugang von Web- Seiten zu gewährleisten, können grundsätzlich zwei Wege beschritten werden:

  • Neben einer "normalen" Version wird eine sogenannte "Nur- Text- Version" angeboten, die weitgehend auf graphische Gestaltungselemente verzichtet. Die in der Ursprungsversion enthaltenen graphisch dargestellten Informationen werden entsprechend in Text umgesetzt.
  • Eine Version für alle: Es werden nur solche Gestaltungselemente verwendet, die allen Nutzern und Nutzerinnen den barrierefreien Zugang ermöglicht. Damit verbunden ist u.U. der Verzicht auf bestimmte (unten aufgeführte) Gestaltungsmöglichkeiten.

Die wichtigsten Anforderungen im Einzelnen:


  • Trennung von Inhalt und Layout: Inhaltliche Informationen sollten nicht über Merkmale des Layouts transportiert werden. Durch die Verwendung von cascading style sheets (CSS) kann das Layout unabhängig vom Text entwickelt werden und erlaubt dem/der Nutzer/in die Verwendung von eigenen Vorlagen, d.h. der oder die Benutzer/in kann ein eigenes Layout festlegen.
  • Äquivalente Alternativen zu Audio- und visuellem Inhalt: Bereitstellung von Inhalten, die dieselbe Funktion oder denselben Zweck erfüllen wie Audio- oder visuelle Inhalte.
  • Textgestaltung: Dem/ Der Nutzer/in sollte bei der Anzeige einer Web-Seite möglichst viel Spielraum gelassen werden. Der Web-Seiten Autor sollte hinsichtlich des Layouts so wenig Vorgaben wie möglich machen: Die Schrift sollte ausreichend groß und vor allem deutlich sein. Für einige Screenreader stellen Einträge Probleme dar. So kann es beispielsweise passieren, dass von einer Überschrift, bei der jeweils der erste Buchstabe eines Wortes größer als die anderen dargestellt wird, bei einem Screenreader nicht mehr viel übrig bleibt.
  • Farben sollten deutliche Kontraste bilden, damit sehbehinderte oder blinde Menschen diese erkennen können. (Auch Hintergrundbilder bedenken.) Ein weitgehender Verzicht auf Farbvoreinstellungen erlaubt eigene Einstellungen. Text und Grafik müssen verständlich bleiben, wenn sie ohne Farbe betrachtet werden!
  • Grafiken: Nutzern von Screenreadern ist prinzipiell die Möglichkeit der Betrachtung eines Bild oder eine Grafik verwehrt. Wird jeder Grafik ein sogenannter Alternativtext im HTML-Quellcode beigefügt, kann vom Screenreader die Grafik interpretiert werden und der Alternativtext wird übersetzt. Folglich sollten alle Grafiken mit einem beschreibenden Text unterlegt sein.
  • Rahmen (Frames) sollten mit einer "Noframes"-Programmierung unterlegt werden, auf der ein Link blinde oder sehbehinderte Nutzer direkt zur wichtigen Information weiterleitet. Wichtig: Die Auswahl von sinnvollen Frame-Titeln, die auf die Funktion der Frames hinweisen. Funktionen der Frame- Titelleiste nicht abschalten.
  • Die Verwendung von Tabellen birgt für viele Nutzer von Screenreadern Schwierigkeiten, deshalb möglichst zurückhaltend nutzen. Wenn man nicht darauf verzichten möchte, sollten sie mit Texterläuterungen versehen sein. Wichtig: In keinem Fall sollten Tabellen für nicht-tabellarische Daten verwendet werden.
  • Für Scripts, Applets und Plug-Ins. müssen alternative Inhalte für die Fälle bereit gestellt werden, in denen aktive Merkmale nicht barrierefrei sind oder nicht unterstützt werden.
  • Auf Javascript muss nicht verzichtet werden. Es kann benutzt werden, wenn mit Noscript-Tags Alternativmöglichkeiten geschaffen werden. Javascript kann von Browsern, die unter MS-DOS arbeiten oder von dem von blinden oder sehbehinderten Menschen immer noch häufig eingesetzter Browser, dem Textbrowser "Lynx", nicht interpretiert werden.
  • Links: Es sollten klare Navigationsmechanismen bereitgestellt sein. Informationen zur Orientierung wie Navigationsleisten erhöhen die Wahrscheinlichkeit dass der Nutzer das Gesuchte findet. Der Text eines Links muss immer so ausführlich sein, dass er ohne den unmittelbaren Kontext verständlich ist.
  • PDF- Dateien: Man sollte die Leseweise von Screenreadern bedenken und die Einstellung von riesigen Dateien ins Netz vermeiden bzw. Dateien aufsplitten.

Weiterführende Links:


  • www.dvbs-online.de Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS).
  • www.akbi.de Der Arbeitskreis "Barrierefreies Internet" des Marburger Vereins Behinderte in Gesellschaft und Beruf (Akbi e.V.) vergibt einmal im Jahr den "Gordischen Webknoten" an vorbildlich barrierefrei gestaltete Webseiten sowie einen Negativpreis an besonders schwer zugängliche. ·
  • www.einfach-fuer-alle.de "Einfach für @lle" der Aktion Mensch klärt auch über die Möglichkeiten der barrierefreien Gestaltung des Internets auf. ·
  • www.cebeef.de Überregionaler Informations- und Kommunikationstreffpunkt des Clubs Behinderter und ihrer Freunde. ·

Das ist ein Auszug einer Empfehlung des Beirats der Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung vom August 2002. Die gesamte Empfehlung finden Sie hier als pdf-Dokument.

Verantwortlich: Dr. Uwe Grebe - Zuletzt aktualisiert: 9. August 2011